EDITORIAL

Der menschliche Maßstab

Foto: Daria Scagliola

  • Autor: Boris Schade-Bünsow, Chefredakteur Bauwelt

Eigentlich ist es selbstverständlich, Architektur im Maßstab des Menschen zu bauen. Was sollte man denn sonst tun. Nur wenige Ausnahmen erlauben es, diese Bezugsgröße zu verlassen, beispielsweise bei der Errichtung von Zoogebäuden. Und doch ist diese wichtigste Veranlassung von Architektur in den zurückliegenden Jahren etwas in den Hintergrund gerückt. Zu viele Partikulärinteressen schienen wichtiger. Verordnungen, die eingehalten werden müssen und Bauherren, die mit der Haltung von ökonomie-getriebenen Investoren agiert haben, verschoben das Zentrum des Planen und Bauens. Das ist heute anders geworden. Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Sinne der Dauerhaftigkeit und der Sinnhaftigkeit, den Bestand sorgsam zu behandeln ist heute selbstverständlich.
Meck Architekten aus München gelang mit dem Haus für Kinder in Kirchseeon insbesondere der geschickte Umgang mit der herausfordernden Topografie des Grundstücks, die im Inneren ihre Fortsetzung findet und so spannungsvolle Bezüge der unterschiedlichen Erschließungen schafft.
acme aus London, Architekten der neuen Verwaltung der Sächsischen Aufbaubank in Leipzig, verbauten insgesamt 215 Stützen in unterschiedlichen Dimensionen. Diese stehen sowohl außerhalb des Gebäudes als auch im Inneren und lösen die Grenzen des Bauwerks auf. Damit rückt die Bank in die Stadtgesellschaft. Was haben sich die Architekten dabei gedacht? In einem Interview erläutern sie ihren Entwurf. Wie macht man aus einem Stall ein Haus, genauer gesagt, ein Fotostudio? Eine nicht nur architektonisch anspruchsvolle Aufgabe, auch bauphysikalisch und konstruktiv ist das nicht trivial, denn ein Stall wird normalerweise nicht beheizt. Der Architektin Helga Blocksdorf aus Berlin ist der Umbau gelungen.

Boris Schade-Bünsow, Chefredakteur Bauwelt

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